Ärschtuichus und Ärlogus

 

Ich nimu miis äRiggsagçhji mit appas Gitraichsch und Schpiis ufu Rigg, heichu du Binóggul1 um und loos geits, Schritt fär Schritt, çhippuichundu2 du Bäärg umbruif. I miinä Oorinu teent där Gsang va dä Voglu und harr und darr geid us Rungji3 Wind, wa mär gat zeicht, wellts där eltuscht Simpilär ischt. Hiitu wilis umaal wissu, warfär ds Ggoggwäärgi4 hinnär dum Wengghooru33 immär no Geisgaglä5 tischut. Schoo häni di Bärufet33 hinnär miär und äs triibt mär du Schweiss ins Gsicht. Appa umaal Barlógga6 machu und us Schlugçhji triichu. Das mag du Durscht und d Miädi gvärtriibu. Waani ds Batílli7 in där Luft heltu fär sus ánzschtitzu, gseeni nid wiit va miär u chleinä Schtuidujuizär8, wa fescht am wäärchu ischt. – Hei dui, hoiri mu unggägu. – Di gibaartut Greischa9 çheert schich um und lotzt mi ganz värdattrut á. – Sappärlott, ds Ggoggwäärgi schteit vor miär. – Warfär tuäscht de jetz uf zmaal schoo hiäna dum Wengghooru afa Geissgaglä tischu? Häni do gmeint, dui maçhät das numu hinnär dum Wengghooru. – Jetz bischt paff, meint ds Ggoggwäärgi. – Oo, wiär sii appa beedi paff, gibi mu zär Antwoort. – Ds Ggoggwäärgi gruippät schi nidär und ärkleert, äs miässä jetz oi hiäna dum Wengghooru Gaglä tischu, will Neeschini10 heis hinnär dum Wengghooru gçheini mee. Dii hei da alli där Wolf gfrässu. Äs hei drumm ganz uf Gemschä miässu umschtellu und deschitwillu gäbäs hald oi hiäna dum Hooru Gaglä z tischu. Schiini Sälpschtvärsoorgig pschtää jetz us där Gemschumilch und dum Çhääs und dum Aichu, waas druss gwinnä.

Ds liäbschtuscht Tésseer sii mu ds Pfangjili11 van där dicku Milch. Daa schnätzäs vill Heimina12, u chleini Gruisa13 Gibjuisa14, eppis Geisäraafä15 und us parr Ggoggwäärgi-Epfja16 dri, abär allds mit Värnuift und Mäss. Suschtär sii di Ggoggwäärgi-Choscht z äräägçhi17 old z rezänti18. Simpilär sii ja schliässli Chruitfrässär19.

Entli heerts umaal uif pludru und griift fluggsch in schiini Plooda20. Äs reicht us kurjoosus Gguttärli21 vircha und het märs unnär d Nasa. – Das Gsiff22 ischt miis Gitraich. Tschiffútta23 heissuts, äxtra van Duäm uacha fruschiärt24. Das haaltut eim du Geischt in Gang, meint där Zwirgil25. Hescht us Schlugçhji wellu? – Ich weis nit, ob das fär miis Gangwäärch hiä obuna am Wengghooru guät ischt, gibi mu zär Antwoort. – Po de, wennt nit willt, so hescht halt gçhäbäts, chunnts zärúgg.

Ich truwwä mu nämli nit so rächt. Wärfär tischut deer Zaffjótt26 hiä obuna am Wengghooru ganzi Muirä und Bäärga mit Gaglä? Und das eerscht no hiäna dum Hooru. Wes dii alli mit där Gablu flot írriibti, de hengjis hiä weenigär Faggsä27, därfír abär schee mälchs Chruit28 fär schiini Gemschä, waas ja fär d Milch bruicht.

Allds chunnt mär us bitzji gschpässigs vor. Ich nimu du Binóggul in d Hand und lotzä därdír uif, därdír ubär und därdír ab. In jedum Schtutz und an jedär Haaltu hets mächtigi Tíschuttä und Muirä va Gaglä, Gagultini und nomal Gaglä. Äs chunnt mär fascht vor, wiä daa eppis wei, wa uf schiini Schtund druf beitut29.

Ds Ggoggwäärgi bimerkt miini Úruä und fräägt: Was gseescht? – Jetz schreckts mär sogaar no du Binóggul us dä Hendu und schpiänzlut sälbär umunánd. – Daa gseescht doch niggs, allds ischt no vill chleinär wa suschtär. – Ich schwigä. Dass äs du Binóggul värchoortä in dä Hendu het, das bruichts jetz nit gad z wissu. We deer Balóss30 kapíärti, was ich allds gsee hä … das wei mu gwis nid rächt.

Immär mee und mee geits mär durch du Chopf: We dii ganzu Muirä, Tíschä, Huiffna, Schochna31 und Bäärga va Gaglä uf einär Maalu där d Meijuçhäla33 umbrícha gaglunt, de bruichunt di Puiru unna in där Riiti33 und uf dä Chluisu33 afu nimmä Buw32 uisztuä. Oo Härrjeminee, waa gäänt di Puiru de mim Buw? Weli Sach! Als obs nit schoo gnuäg z äruimu und z wäärchu gääbi und jetz no das …

 

Brrr brrr brrr … brrr brrr brrr! – Zum Glick, där Weckär geit! Halb gschturus maçhi ds Chriiz und langsam merki, waani wirkli bi – No gad im Bett und jedä Mumänt uf dä Beinu … Welä Háwass häni do gitroimt. Jajaa, ubär aaltä Abärgloibu cha mu hiitu laçhä, mit niwwum Abärgloibu värdiänt mu ds Gääld. Sälpschtärleesig ischt ja modeern … Weli Tummheit! Ischt nit beides Ärschtuichus und Ärlogus?

 

Erschienen 2019 im WB, iischi Schpraach

 

Worterklärungen:   1 Binóggul = Feldstecher; 2 çhippuichundu = keuchend; 3 Rung, Rungji = Windstoss, Schwung; 4 Ggoggwäärgi, Gguggwäärgi = Zwerg; 5 Geisgaglä = Ziegenkot; 6 Barlógga = Rasthalt, Ruhepause; 7 Batílli = Holzfläschchen; 8 Schtuidujuizär = Knirps, Taugenichts; 9 Greischa = grinsendes Gesicht; 10 Neeschini = Ziegen; 11 Pfangila, Pfangjili = geronnene Milch; 12 Heimina = Wiesenspinat, guter Heinrich; 13 Gruisa = Prise, kleine Menge; 14 Gibjuisa, Gibuisa = Schafgarbe; 15 Geisäraafa, Geisäraafä = Alpenhauswurz; 16 Ggoggwäärgi-Epfja = Alpenrosenäpfel; 17 räägch, äräägçhi = bitter; 18 rezänt = scharf; 19 Chruitfrässär = Übername der Simpiler; 20 Plooda = Bluse, Hirtenbluse; 21 Gguttra, Gguttärli = Flasche, Fläschchen; 22 Gsiff = Gesöff; 23 Tschiffútta = starkes Alkoholgetränk; 24 fruschiäru, fruschiärt = schmuggeln, geschmuggelt; 25 Zwirgil = Tölpel; 26 Zaffjótt = Sonderling, merkwürdiger Kauz; 27 Faggsä = Borstengras; 28 mälchs Chruit = nahrhaftes Grasfutter; 29 beitu, beitut = warten, wartet; 30 Balóss = frecher Kerl; 31 Schochu, Schochna = Haufen; 32 Buw = Mist; 33 Wengghooru, Bärufet, Meijuçhäla, Riiti, Chluisä = Flurnamen.

 


Zant Herrgundschtag

 

Wissäd iär, dass där Zant Herrgundschtag eppis mim Hofroontag z tuä het? - Am Hofroontag (vor dum Karfriitag) hed iischä Heiland mim letschtu Aabundmaal d Heilig Oicharischtii íngsetzt: D Wandlig va Broot und Wii in schiinu Liib und schiis Bluät - Mittulpunkt und Altaarsakramänt va jedär Heiligu Mäss.

Will in där Kárwuchu allds schtill und ooni groossus Wäsu soll passíèru, chamu am Hofroontag hald nid us moorts Fäscht machu. So het mu im driizääntu Jaarhunnärt us schpezjélls Hoochfäscht íngfièrt, wa mu zächu Taga naa Pfingschtu tuät bigaa: där Zant Herrgundschtag. An dischum Tag tuät mu d liiblich Gäguwaart va iischum Heiland im Sakramänt va där Oicharischtii fiiru und tuät das oi voorna allä Liitu zeichu.

Da geit ds ganz Volch in umu fiirlichu Antheiss där ds Deerffji und där Heer (Pfarrer)  treit d Monschtranz mit där Heilig Kumiljoo zä viär Altääru, wanär de ubärall du Sägu git. Di ganz Fiir hed u lengi Tradizjoo, wa schich im Värloif va dä Jaaru us bitzji värändrut het, abär di Darschtellig vam Altaarsakramänt ischt allpot d Hoipsach plibu.

Frièjär wa hiä z Simpilu no gçhei Doorfmuisig isch ggsi, het de un Támboor schoo zä fuifä gitrummut. Hiitu macht di Doorfmuisig im säggschi ufum Doorfplatz Tagwach und geid in di Doorfquartièri ga schpilu. Unnärdessi schtellunt d Liit ufum Doorfplatz (mim Wiissu Chriiz), uf där Patrii (mim Hotel Flätschhooru), mit där Alpínu (d Raatsheeru) und uf dum Schuälhuisplatz (där Jugundvärei) vièr Altäär uif und zièrunt dii mit frischä, jungä Läärçhjinu, griènä Schtuidu und hipschä Bluämu und Meiju. Us summä Pfeischtru heichundsch Fänu fircha.

Churz vor dä niinä marschíèrunt dii, wa gäänt ga uifziä – vor dä Niinzgärjaaru no un gçheerigi Eerukompanii – und di Doorfmuisig mit dum Gmeifanu vam Schuälhuisplatz umbrí zär Çhillchu. Und därnaa gäändsch zämu mim ganzu Volch zum Amt.

Bis in d Niinzgärjaari ischt d Eerukompanii unnär där ganzu Mäss im groossu Gang zär Eeruwach schtannu plibu; und unnär där Wandlig het mu uf Komándo in Achtigschtellig gitrummut. Hiitu geits weenigär militeerisch zuä und mu macht das nimmä.

Naa där Mäss schtellt mu schich ufum Doorfplatz vor där Çhillchu í und geid im Antheiss där z Deerffji zä vièr Altääru. Z voordärscht marschíèrt d Eeruwach – frièjär d Eerukompanii – mit dum Gmeifanu voruis. Därnaachär marschíèrt d Muisig mit umu langsamu Prozessjoonsmarsch. Hinnärna dra chunnt där Jugundvärei mim Fanu und de ds gschtiftut Silbärchriiz und di ganzu Fänu: där Prozessjoonsfanu und di ganzu Rósuchranzfänu. Dii Fänu hent de frièjär familjuwiisch zuägçheert; das mièssund usoo wiä Schtiftunngä ggsi sii. Abär hiitu lotzänsch dáruf nimmä usoo und d Schièlär träägunt di ganzu Fändlini. Das soll ds äRósuchranzgibätt darschtellu: Där grooss wiiss Fanu mit dä fuif chleinu wiissu Fändlinu soll du Freiduriich Rósuchranz darschtellu; där grooss äroot Fanu mit dä fuif ärootu Fändlinu soll du Schmäärzhaftig Rósuchranz darschtellu; und där grooss gälw Fanu mit dä fuif gälwu Fändlinu soll där Gloorriich Rósuchranz sii. Du groossu Rootu und du groossu Gälwu gits hiitu nimmä, abär du groossu Wiissu treit mu immär no.

Naa dä ganzu Fänu chumunt d wiiss anggleitu Eerschtkomunikantu mit dä wiissu Çhischinu und dä ganzu Utensiilju vanär Oicharischtiifiir: mim goldigu Çhelch, mim Çhelchtuäch, mit där Pateena (unäru flachu Schalu), mit där Palla (unäru vièreggigu Bidegçhig fär du Çhelch), mim Korporaale-Tuäch, wa mu ufu Altaar leit und dum Evangeeljum-Buäch.

Frièjär heintsch de im Antheiss oi no um parr Schtaatwä mitgitreit: du heilig Joosef, d Muätärgottes, ds Chrischgçhindli und du heilig Alawiisius. Du Alawiisius hent gwenndli jungi Purschtu gitreit; du Joosef hent d Männär gitreit; d Muätärgottes und ds Chrischgçhindli hend wiiss anggleiti Jungfrouwwä und Meiggjä gitreit. Dii wa d Muätärgottes gitreit heint, hent de no um blaawi Schlinga angçhäbä und dii wa ds Chrischgçhindli gitreit heint, u rooti Schlinga. Mit där Muätärgottes hent de oi no vièr chleini Meiggini Bangjini gitreit und mim Chrischgçhindli zweeno. Und u schuppu chleini Meiggini sind de mit denä mitggangu und heind Meijä gschtrewwut.

Hiitu treit mu gçhei Schtaatwä mee, abär chleini Meiggini gäänd immär no ga chränzlinu und schtrewwund unnär dum Antheiss iru Meijä, waasch vorär in d Mättultini sind ga zämuläsu.

D neechschtu in där Reijufolg – gad vor dum Allärheiligschtu – sind d Mässdíènär. Frièjär heint dii fascht unnär dum ganzu Antheiss mid íru Ggloggä ggliitut, hiitu machuntsch sus numu me mim Sägu.

Entli chunnt ds Allärheiligschta: Unnär dum goldigu Himmil treit där Heer du Heiland inär Monschtranz där ds Doorf. Äär ischt unnär dum Schutz vam goldigu Himmil, wa va vièr Raatsheeru gitreitä ischt und vor ínä und hinnär ínä loifft beidsiitsch u Latäärnuträägär. Dii Latäärnä sind de va ggwissä Familinu gschtiftuti und sellund oi va denä gitreiti chu.

Därnaachär chumunt d Sängär und Sängärinä vam Çhillchuchoor und dii hent de frièjär unnär dum Antheiss, bivor dass d Muisig ggsiin ischt, meischtuns u Letenii gsungu. Hiitu singundsch numu me mit dä Altäär.

Schlièssli chunnt ds ganz Mannuvolch und de ds ganz Wiibuvolch, wa nid u schpezjélli Funkzjoo in där Prozessjoo het. Summi Frouwwä träägunt d Sunntagtracht, andri d Wäärchtagtracht. D Liit gäänd alli in Zweijärkolonna und di Parrlini bättunt zämu du Rósuchranz, abwäggsliggswiis eis vor und ds andra naa.

Bis in d Chriègsjaari sind oi no d Schggapulíèrbruädärschaftä z Antheiss ggangu. Daa het ds Mannuvolch us wiissus Chleid mid wiissum Gurt und wiissär Kapúzu angçhäbä; und ds Wiibuvolch hed oi us wiissus Chleid mid wiissum Gurt und umu wiissu Schleijär angçhäbä. Nit terffu fäälu het natiirli bi allä ds Schggapulíèr-Schilggi, wa eis vor dum eewigu Hellufiir soll biwaaru.

Sobaald we di Prozessjoo mid umu Altaar áchunnt, schtellt där Heer d Monschtranz ufu Altaar und nadémm wa di Zeremonii mit dum Wiiroich durch ischt und ds Evangeeljum ggläsus ischt, schtimmunt d Sängär ds „Tantum ergo“ á. We das ferig ischt, git där Heer mit dum Allärheiligschtu du Sägu und därbii gäänt d Liit uf d Chnew. Naa us parr Wäggsulgibätti geit di Prozessjoo wiitär zum neeschtu Altaar.

Zrugg uf dum Doorfplatz untlaat där Heer naa dum Abschlusssägu mim letschtu Altaar ds Volch mit dum „Missa est“. Jetz geid är mim Allärheiligschtu ummín in d Çhillcha und d Liit fäänd umúm langsam á mim wäältlichu Gschefftu.

D Muisig schtellt schich in Konsärtformazjoo uif und gid us chleis Schtändli. Um parr Trachtufrouwwä serwíèrunt dä Liitu us Glesji Wii old suscht appas Luitärsch mid Roggubroot und Çhääs. - Därbii gits fär alli vill z hengärtu … und där Herrgott, ja der gfrewwt schich zämu mid iisch uf schiinu Herrgundschtag.

 

Erschienen 2012 im WB, iischi Schpraach